Verantwortungsvolles Spielen
Glücksspiel soll Unterhaltung sein – nicht zum Problem werden. Hier finden Sie alle Informationen zu verantwortungsvollem Spielen, Selbsttests und professionelle Hilfsangebote.
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Was ist pathologisches Glücksspiel (Spielsucht)?
Pathologisches Glücksspiel, umgangssprachlich Spielsucht genannt, ist eine anerkannte Krankheit, die als Impulskontrollstörung (ICD-10: F63.0) klassifiziert wird. In Deutschland sind nach Schätzungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) etwa 200.000-300.000 Menschen von Spielsucht betroffen, weitere 400.000 zeigen problematisches Spielverhalten.
Definition nach WHO/ICD-11
Spielsucht ist gekennzeichnet durch ein anhaltendes oder wiederkehrendes Glücksspielverhalten, bei dem die Kontrolle über das Spielverhalten verloren geht. Das Spielen erhält trotz negativer Konsequenzen (finanziell, sozial, beruflich) höchste Priorität im Leben der betroffenen Person.
Neurologische Grundlagen
Spielsucht ist keine Willensschwäche, sondern eine Erkrankung mit neurobiologischen Ursachen. Bei pathologischen Spielern ist das Belohnungssystem im Gehirn (mesolimbisches System) verändert – ähnlich wie bei stoffgebundenen Süchten. Dopamin-Ausschüttung beim Spielen führt zu Toleranzentwicklung: Es werden immer höhere Einsätze und längere Spielzeiten benötigt, um den gleichen "Kick" zu erleben.
Fakten zu Spielsucht in Deutschland
~200.000
Menschen mit pathologischem Spielverhalten
~400.000
Menschen mit problematischem Spielverhalten
70%
der Betroffenen sind männlich
3-5 Jahre
Durchschnittliche Entwicklungsdauer bis zur manifesten Sucht
Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)
Warnzeichen: Bin ich gefährdet?
Spielsucht entwickelt sich schleichend über Monate oder Jahre. Je früher Sie Warnzeichen erkennen, desto besser sind die Behandlungschancen. Folgende Symptome sollten Sie ernst nehmen:
Kontrollverlust
Sie spielen länger oder mit höheren Einsätzen als geplant. Selbst gesetzte Limits können nicht eingehalten werden.
Gedankliche Einengung
Ständiges Denken ans Spielen, Planen der nächsten Session, Grübeln über Verluste oder das nächste große Gewinnen.
Verlusten hinterherjagen
"Chasing losses": Sie spielen weiter, um Verluste zurückzugewinnen. Einsätze werden erhöht, um schneller zum Ziel zu kommen.
Verheimlichung
Sie lügen gegenüber Familie, Freunden oder Therapeuten über Ihr Spielverhalten und finanzielle Situation.
Entzugserscheinungen
Unruhe, Reizbarkeit, Nervosität wenn Sie nicht spielen können. Spielen dient zur Stimmungsregulation.
Finanzielle Probleme
Schulden, unbezahlte Rechnungen, Leihen von Geld, Verkauf von Wertgegenständen zur Finanzierung des Spielens.
Soziale Isolation
Vernachlässigung von Hobbys, Freundschaften, Familie. Spielen wird zur wichtigsten Aktivität im Leben.
Toleranzentwicklung
Sie brauchen immer höhere Einsätze oder längere Spielzeiten, um die gewünschte Aufregung zu erleben.
Erfolglose Aufhörversuche
Mehrfache gescheiterte Versuche, das Spielen einzuschränken oder aufzuhören.
Berufliche/Schulische Probleme
Leistungsabfall, Fehlzeiten, Verlust des Arbeitsplatzes oder Studienabbruch wegen des Spielens.
Rechtliche Konsequenzen
Unterschlagung, Betrug oder andere Straftaten zur Finanzierung des Spielens.
Psychische Belastung
Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen, Suizidgedanken als Folge der Spielsucht.
Wichtig: Wenn Sie sich in 3 oder mehr Punkten wiedererkennen, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Spielsucht ist eine behandelbare Erkrankung – je früher die Therapie beginnt, desto besser die Prognose.
Selbsttest: Spielsucht-Screening
Dieser Test basiert auf dem DSM-5-Kriterien (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) und dem SOGS (South Oaks Gambling Screen), den international anerkannten Diagnosekriterien für pathologisches Glücksspiel.
Beantworten Sie folgende Fragen ehrlich (bezogen auf die letzten 12 Monate):
1. Haben Sie mehr gespielt, als Sie sich vorgenommen hatten?
2. Mussten Sie mit immer höheren Einsätzen spielen, um die gewünschte Erregung zu erreichen?
3. Haben Sie erfolglos versucht, Ihr Spielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben?
4. Fühlen Sie sich unruhig oder gereizt, wenn Sie nicht spielen können?
5. Spielen Sie, um vor Problemen zu fliehen oder um negative Gefühle (Hilflosigkeit, Schuld, Angst, Depression) zu lindern?
6. Versuchen Sie nach Verlusten häufig, diese durch weiteres Spielen auszugleichen ("Chasing")?
7. Haben Sie bezüglich Ihres Spielverhaltens Familienmitglieder, Therapeuten oder andere belogen?
8. Haben Sie illegale Handlungen begangen (Unterschlagung, Betrug, Diebstahl), um Ihr Spielen zu finanzieren?
9. Haben Sie wegen des Spielens wichtige Beziehungen, Ihren Job oder Bildungs-/Karrierechancen gefährdet oder verloren?
10. Haben Sie andere um Geld gebeten, um finanzielle Notlagen durch Glücksspiel zu beheben?
Auswertung:
0-2 Ja-Antworten: Geringes Risiko. Spielen Sie trotzdem verantwortungsvoll und beachten Sie unsere Tipps.
3-4 Ja-Antworten: Problematisches Spielverhalten. Sie sollten Ihr Verhalten kritisch hinterfragen und ggf. professionelle Beratung suchen.
5+ Ja-Antworten: Hohes Risiko für pathologisches Spielen. Wir empfehlen dringend, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Hinweis: Dieser Test ersetzt keine professionelle Diagnose. Er dient zur ersten Selbsteinschätzung. Bei Verdacht auf Spielsucht wenden Sie sich bitte an eine Suchtberatungsstelle oder an die BZgA-Hotline (0800 1 37 27 00).
10 Goldene Regeln für verantwortungsvolles Spielen
Wenn Sie spielen möchten, sollten Sie diese Grundregeln befolgen, um das Risiko einer Spielsucht zu minimieren:
Festes Budget
Legen Sie vor dem Spielen ein festes Budget fest, das Sie sich leisten können zu verlieren. Nutzen Sie nur Geld, das nicht für Lebenshaltungskosten benötigt wird.
Zeitlimit setzen
Definieren Sie vor dem Spielen eine maximale Spieldauer (z.B. 1 Stunde) und halten Sie sich daran. Nutzen Sie Wecker oder Timer.
Niemals Verlusten nachjagen
Akzeptieren Sie Verluste. Versuchen Sie nicht, durch höhere Einsätze oder längeres Spielen Verluste auszugleichen – das ist der Beginn der Spirale.
Kein Geld leihen
Spielen Sie niemals mit geliehenem Geld, Krediten oder Geld, das für andere Zwecke vorgesehen ist (Miete, Rechnungen, etc.).
Nicht unter Einfluss spielen
Spielen Sie nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Diese Substanzen beeinträchtigen Ihr Urteilsvermögen und Ihre Impulskontrolle.
Glücksspiel ist kein Beruf
Betrachten Sie Glücksspiel als Unterhaltung, nicht als Einkommensquelle. Die Wahrscheinlichkeit langfristiger Gewinne ist mathematisch gegen Sie.
Pausen einlegen
Machen Sie regelmäßige Pausen beim Spielen. Verlassen Sie den Computer, gehen Sie spazieren, beschäftigen Sie sich mit anderen Dingen.
Keine Notlösung
Nutzen Sie Glücksspiel nicht, um Probleme zu vergessen, Stress abzubauen oder negative Gefühle zu kompensieren.
Soziale Balance
Pflegen Sie Hobbys, Freundschaften und Familie. Glücksspiel sollte nur ein kleiner Teil Ihrer Freizeitgestaltung sein, nicht der Mittelpunkt.
Selbstreflexion
Hinterfragen Sie regelmäßig Ihr Spielverhalten kritisch. Nutzen Sie Selbsttests und sprechen Sie offen mit Vertrauenspersonen über Ihr Spielen.
Technische Hilfsmittel nutzen
Viele Online Casinos bieten Spielerschutz-Tools an, die Sie aktiv nutzen sollten:
- Einzahlungslimits: Setzen Sie tägliche/wöchentliche/monatliche Einzahlungsobergrenzen
- Verlustlimits: Definieren Sie maximale Verluste pro Zeitraum
- Session-Limits: Beschränken Sie die Spieldauer pro Tag
- Reality-Checks: Lassen Sie sich regelmäßig an Ihre Spielzeit erinnern
- Selbstsperre: Sperren Sie sich bei ersten Anzeichen von Kontrollverlust vorübergehend oder dauerhaft
Professionelle Hilfe – Sie sind nicht allein
Spielsucht ist eine behandelbare Erkrankung. Es gibt in Deutschland ein flächendeckendes Hilfesystem mit erfahrenen Therapeuten, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen. Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Schritt zur Genesung.
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Selbsttests, Informationen und persönliche Beratung durch Suchtexperten. Auch für Angehörige.
Zur Online-Beratung🏥 Suchtberatungsstellen
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Professionelle Beratung durch Sozialpädagogen, Psychologen und Suchttherapeuten. Vermittlung in stationäre Therapie.
Beratungsstelle finden👥 Anonyme Spieler (GA)
Selbsthilfegruppen
Kostenlose Meetings bundesweit
Selbsthilfegruppe nach dem 12-Schritte-Programm. Austausch mit anderen Betroffenen in geschütztem Rahmen.
GA Deutschland📱 OASIS-Sperrsystem
Zentrale Spielersperre
Für deutsche Online Casinos & Spielhallen
Bundesweites Sperrsystem für deutsche Glücksspielangebote. Sperrung gilt übergreifend für alle teilnehmenden Anbieter.
Jetzt sperren👨👩👧 Hilfe für Angehörige
Gam-Anon
Selbsthilfe für Angehörige von Spielern
Spezielle Gruppen für Partner, Eltern und Kinder von spielsüchtigen Menschen. Austausch und Unterstützung.
Gam-Anon DeutschlandAblauf einer Therapie
1. Kontaktaufnahme & Beratung: Erstkontakt mit Beratungsstelle oder Hotline. Einschätzung der Situation und Besprechung möglicher Hilfsangebote.
2. Ambulante Therapie: Wöchentliche Einzel- und/oder Gruppengespräche über 12-18 Monate. Fokus auf Verhaltensänderung, Bewältigung von Ursachen und Rückfallprävention.
3. Stationäre Therapie: Bei schwerer Suchterkrankung oder gescheiterten ambulanten Versuchen: 8-16 Wochen Aufenthalt in Fachklinik mit intensiver therapeutischer Betreuung.
4. Nachsorge: Ambulante Nachbetreuung, Selbsthilfegruppen und ggf. therapeutische Begleitung über längeren Zeitraum zur Stabilisierung.
Finanzierung: Die Kosten für ambulante und stationäre Therapie werden in Deutschland in der Regel von Krankenkassen oder Rentenversicherung übernommen. Die Beratung ist grundsätzlich kostenlos.
Rechtliche Aspekte des Spielerschutzes in Deutschland
Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) 2021
Der neue Glücksspielstaatsvertrag verpflichtet deutsche Online Casinos zu umfangreichen Spielerschutzmaßnahmen:
- Monatliches Einzahlungslimit: Maximal 1.000€ pro Monat über alle lizenzierten Anbieter hinweg
- Einsatzlimit: Maximal 1€ pro Spiel bei Slots
- 5-Sekunden-Regel: Mindestens 5 Sekunden Pause zwischen Spins
- OASIS-Sperrdatei: Zentrale bundesweite Spielersperre
- Verbot von Autoplay: Automatische Spielabfolgen sind untersagt
- Keine Bonusangebote: Beschränkung von Werbeaktionen
Hinweis: Diese Regeln gelten NUR für deutsche Online Casinos mit GGL-Lizenz. EU-lizenzierte Casinos ohne deutsche Lizenz unterliegen diesen Beschränkungen nicht.
Spielerschutz bei EU-Casinos
Auch Casinos ohne deutsche Lizenz bieten Spielerschutz-Tools, allerdings sind die Standards weniger streng reguliert:
- Freiwillige Limits (Einzahlung, Verlust, Session-Zeit)
- Selbstausschluss-Optionen (temporär oder permanent)
- Reality-Check-Funktionen
- Links zu Hilfsorganisationen
Wichtig: Bei EU-Casinos liegt mehr Eigenverantwortung beim Spieler. Die Limits müssen aktiv gesetzt werden und sind nicht verpflichtend.
Unsere Position: Wir sind Befürworter von Spielerschutz. Gleichzeitig kritisieren wir, dass die deutschen Regeln teilweise übermäßig restriktiv sind und manche Spieler in unregulierte Angebote treiben. Wir setzen auf Aufklärung statt Paternalismus und fordern ausgewogene Regulierung.
Prävention: Wie kann man Spielsucht verhindern?
Risikofaktoren kennen
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, eine Spielsucht zu entwickeln:
- Früher Kontakt: Beginn des Glücksspiels im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter
- Psychische Erkrankungen: Depressionen, Angststörungen, ADHS, Persönlichkeitsstörungen
- Andere Süchte: Alkohol-, Drogen- oder Nikotinabhängigkeit
- Familiäre Vorbelastung: Suchterkrankungen in der Familie
- Belastende Lebenssituationen: Arbeitslosigkeit, Scheidung, Trauer, finanzielle Probleme
- Soziale Isolation: Einsamkeit, wenig soziale Kontakte
- Frühe Großgewinne: Initiale große Gewinne verstärken Glücksspielverhalten
Wenn Sie mehrere Risikofaktoren bei sich erkennen, seien Sie besonders achtsam und nutzen Sie präventiv Spielerschutz-Tools.
Mythen über Glücksspiel – Faktencheck
Mythos 1: "Ich bin mal mit einem großen Gewinn dran."
Fakt: Glücksspiele sind mathematisch so konzipiert, dass langfristig immer das Casino gewinnt (Hausvorteil). Ein großer Gewinn ist Zufall, kein Verdienst.
Mythos 2: "Ich habe ein System / eine Strategie."
Fakt: Bei reinen Glücksspielen (Slots, Roulette) gibt es kein System, das langfristig funktioniert. Jeder Spin ist unabhängig vom vorherigen.
Mythos 3: "Ich kann jederzeit aufhören."
Fakt: Viele Spielsüchtige glauben das – bis sie es versuchen. Sucht bedeutet per Definition Kontrollverlust.
Mythos 4: "Spielsucht betrifft nur Schwache."
Fakt: Spielsucht kann jeden treffen, unabhängig von Bildung, Einkommen oder Willenskraft. Es ist eine Krankheit, keine Charakterschwäche.
Positive Alternativen entwickeln
Der beste Schutz gegen problematisches Spielverhalten ist ein erfülltes Leben mit vielfältigen Interessen:
- Sport und Bewegung: Körperliche Aktivität setzt Endorphine frei (natürliche "Glückshormone")
- Soziale Kontakte: Zeit mit Familie und Freunden ist emotional erfüllender als Glücksspiel
- Hobbys: Musik, Kunst, Handwerk – kreative Tätigkeiten geben Erfolgserlebnisse
- Ehrenamt: Helfen gibt Sinn und Struktur
- Bildung: Neues lernen stimuliert das Gehirn positiv
Unser Schlusswort
Online-casinos-ohne-limit.de berichtet über Casinos ohne deutsche Beschränkungen – aber wir stehen zu 100% hinter verantwortungsvollem Spielen. Glücksspiel sollte Unterhaltung sein, niemals eine Notwendigkeit oder Flucht aus der Realität.
Wenn Sie merken, dass Sie die Kontrolle verlieren:
- Schämen Sie sich nicht – Spielsucht ist eine Krankheit, keine Charakterschwäche
- Suchen Sie so früh wie möglich Hilfe – die Erfolgsaussichten sind umso besser
- Nutzen Sie die kostenlosen Hilfsangebote – Sie sind nicht allein
- Sprechen Sie mit Vertrauenspersonen – Schweigen verstärkt die Sucht
Für Angehörige: Wenn Sie vermuten, dass jemand in Ihrem Umfeld spielsüchtig ist, sprechen Sie die Person behutsam an und bieten Sie Unterstützung an. Co-Abhängigkeit (z.B. Schulden bezahlen) hilft nicht – professionelle Therapie schon.
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